Videokonferenzen ohne Zoom: Jitsi Meet und BigBlueButton für kleine Betriebe
Vierzig Minuten, dann trennt der Gratis-Tarif das Gespräch. Ich vergleiche Jitsi Meet, BigBlueButton und Nextcloud Talk auf dem eigenen Server: Kosten, Kapazität, Grenzen – und was bei Vereinssitzungen rechtlich gilt.
Vierzig Minuten. Dann ist Schluss, mitten im Satz, und alle klicken sich zurück in denselben Raum. So sieht der kostenlose Zoom-Tarif aus: 40 Minuten pro Meeting, bis zu 100 Teilnehmer, Aufzeichnung nur lokal.
Für eine Vorstandssitzung von 19 bis 21 Uhr taugt das nicht. Also zahlt der Verein. Oder Ihr Betrieb. Pro Person, pro Monat, jahrein jahraus – für etwas, das aus vier Dingen besteht: ein Link, Ton, Bild und der Bildschirm zum Zeigen.
Mehr braucht die durchschnittliche Besprechung nicht. Genau das können Sie selbst betreiben. Hier stehen die beiden ernsthaften Kandidaten, ein dritter Weg und die Zahlen dazu. Auch die unangenehmen.
Jitsi Meet: der Besprechungsraum auf dem eigenen Server
Jitsi Meet steht unter der Apache-2.0-Lizenz – Quelltext offen, Nutzung kostenlos, auch gewerblich. Stabil ist Version 2.0.11031 vom 8. Juni 2026. Auf Ihrer eigenen Maschine ist das Prinzip unspektakulär und deshalb gut: Adresse öffnen, Raum benennen, Link verschicken. Wer teilnimmt, klickt den Link im Browser an. Ein Konto verlangt dort niemand, solange Sie selbst keines verlangen.
Und das Zeitlimit? Gibt es nicht. Versprochen hat das kein Hersteller, es ergibt sich daraus, dass die Maschine Ihnen gehört: Es existiert schlicht kein Anbieter, der nach 40 Minuten trennen könnte. Die Grenze setzen Ihre Hardware und Ihre Leitung.
Der Serverbedarf bleibt überschaubar. Das Jitsi-Handbuch nennt 8 GB Arbeitsspeicher (für kleine Runden reichen 4 GB), vier Prozessorkerne und rund 20 GB Plattenplatz. Offen sein müssen Port 80 und Port 443 (TCP) sowie Port 10000 (UDP) für Ton und Bild – die 80 braucht der Server für das kostenlose Let's-Encrypt-Zertifikat, ohne sie bekommen Sie keine verschlüsselte Adresse. Je Teilnehmerstrom rechnet Jitsi mit 500 kbit/s in 360p und 2,5 Mbit/s in 720p – mal Ihre größte Runde ergibt das Ihren Leitungsbedarf.
Zwei Stolperfallen nenne ich sofort. Erstens ist die Standardinstallation offen – Jitsi schreibt das selbst in die Anleitung: Wer den Server ins Netz stellt, erlaubt jedem, mit jedem zu sprechen. Erst die sogenannte secure domain, eine Einstellung, die das Anlegen von Räumen auf angemeldete Nutzer begrenzt, macht daraus Ihren Raum.
Zweitens gehört die öffentliche Instanz meet.jit.si der Firma 8×8 in Kalifornien. Seit dem 24. August 2023 brauchen Sie dort ein Konto, um überhaupt einen Raum zu öffnen. Dazu setzen die Nutzungsbedingungen (Stand 26. Oktober 2020) der kostenlosen Nutzung eine Fair-Use-Grenze: „a maximum aggregate total of 25 Active End Points per calendar month“, also 25 aktive Endpunkte im Kalendermonat. Auf Ihrem eigenen Server gilt weder das eine noch das andere. Wie eine selbst gehostete Jitsi-Instanz aussieht, steht hier.
Der Transportweg ist standardmäßig verschlüsselt, die Medienströme landen laut Hersteller nie in einem dauerhaften Speicher. Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der auch der Server nichts mitliest, gibt es zusätzlich – mit Grenzen: höchstens 20 Teilnehmer, nur in bestimmten Desktop-Browsern, und mit Telefoneinwahl oder Aufzeichnung gar nicht.
BigBlueButton: wenn Sie unterrichten statt besprechen
BigBlueButton (LGPL-3.0) beschreibt sich selbst als virtuelles Klassenzimmer für Lehrende und Lernende. Nehmen Sie diese Selbstbeschreibung als Bauanleitung. Laut Hersteller bringt es Whiteboard, Gruppenräume, Umfragen, geteilte Notizen, Handheben, Chat und den Upload von PowerPoint-, Word- und PDF-Dateien mit. Aufzeichnen kann es ab Werk.
Bezahlt wird das in Hardware. Die Installationsdoku verlangt für den Produktivbetrieb: Ubuntu 22.04, 16 GB Arbeitsspeicher, „8 CPU cores, with high single-thread performance“ – acht Prozessorkerne mit hoher Leistung je einzelnem Kern –, 500 GB Plattenplatz für Aufzeichnungen (50 GB ohne) und 250 Mbit/s symmetrisch, also 250 Mbit/s in beide Richtungen, hoch wie runter. Dazu die Ansage, die viele überlesen: BigBlueButton gehört auf einen sauberen, eigenen Server ohne andere Software daneben.
Dafür gibt es eine belastbare Zahl, die Jitsi nicht liefert. Ein einzelner BigBlueButton-Server nach Mindestkonfiguration trägt laut Projektdokumentation rund 200 gleichzeitige Nutzer. Stabil ist derzeit 3.0.32 vom 2. Juli 2026; die 4.0 gibt es als Beta vom 23. Juli 2026, und die Dokumentation beschreibt weiterhin die 3.0. Also: 3.0 nehmen, Beta auf den Testserver. Was beim Einrichten anfällt, steht auf der Seite zu BigBlueButton.
Nextcloud Talk: der dritte Weg
Der dritte Weg ist der bequemste, wenn er passt. Läuft bei Ihnen ohnehin schon Nextcloud, kommt die Videokonferenz als weitere Funktion dazu; ein zweites System richten Sie dann gar nicht ein. Nextcloud nennt sechs bis zehn Teilnehmer, bis zu 20 bei guter Leitung – die Dokumentation ergänzt ehrlich, dass 20 nur klappen, wenn alle das Video abschalten. Mit einem zusätzlichen Verteildienst, den Nextcloud High Performance Backend nennt (ein Server, der die Bild- und Tonspuren bündelt, statt sie alle untereinander schicken zu lassen), werden daraus 30 bis 50 aktive Teilnehmer plus hunderte Zuhörer. Anrufe von Ende zu Ende verschlüsselt kann Talk inzwischen im Web und im neuen Desktop-Programm; seit welcher Version, sagt Nextcloud nicht.
Die drei im Überblick
| Kriterium | Jitsi Meet | BigBlueButton | Nextcloud Talk |
|---|---|---|---|
| Lizenz | Apache-2.0 | LGPL-3.0 | AGPL-3.0 |
| Gedacht für | Besprechungen | Unterricht, Schulungen | Teams mit Nextcloud |
| Server laut Hersteller | 4 Kerne, 8 GB | 8 Kerne, 16 GB, eigener Server | läuft in Ihrer Nextcloud, Verteildienst für größere Runden |
| Teilnehmer | keine offizielle Angabe | rund 200 je Server | 6–10, mit Verteildienst 30–50 |
Die Aufzeichnung steht bewusst nicht in dieser Tabelle: BigBlueButton kann sie ab Werk, Jitsi nur über einen zweiten Dienst – und für Nextcloud Talk habe ich sie nicht geprüft. Was dabei rechtlich gilt, steht unten in den häufigen Fragen.
Wo die Daten landen: der Unterschied, den niemand sieht
Der wunde Punkt bei einem US-Dienst ist selten die Tonspur. Es sind die Randdaten: wer wann mit wem wie lange gesprochen hat. Zoom unterliegt als US-Unternehmen dem CLOUD Act – dem amerikanischen Gesetz, über das US-Behörden Daten bei US-Anbietern anfordern können, auch wenn die Server in Europa stehen. Zahlende Kunden dürfen Regionen für die Übertragung wählen; die dauerhafte Speicherung bleibt in der Heimatregion des Kontos, Konto- und Metadaten können weiter in den USA verarbeitet werden.
Die Rechtsgrundlage heißt EU-US Data Privacy Framework, beschlossen am 10. Juli 2023. Sie gilt; die Klage dagegen wurde am 3. September 2025 abgewiesen, das Rechtsmittel liegt beim EuGH. Nur: Am 29. Juni 2026 hat der US Supreme Court mit 6:3 entschieden, dass der Kündigungsschutz für die Kommissare der Handelsaufsicht FTC verfassungswidrig ist. Genau auf deren Unabhängigkeit stützt sich der europäische Beschluss in hunderten Verweisen. Das Abkommen gilt weiter. Sein Fundament ist seit diesem Tag juristisch angeschlagen. Muss deshalb etwas kippen? Nein. Aber darauf baut man keine Fünfjahresentscheidung.
Was der eigene Server ändert, sage ich genau: Ihre Konferenz läuft, ohne dass Kontodaten und Metadaten bei einem US-Anbieter liegen, der dem CLOUD Act unterliegt. Sie läuft nicht im luftleeren Raum. Mieten Sie die Maschine bei einem deutschen Anbieter, kann eine deutsche Behörde dort anklopfen; schalten Sie die secure domain ein, führen Sie sogar selbst Konten. Was sich ändert, ist die Zuständigkeit. Warum das für Dateien und Mail genauso gilt, steht im Vergleich von Microsoft 365 und Nextcloud.
Zwei Randnotizen. Die maßgebliche deutsche Handreichung, die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz zu Videokonferenzsystemen, stammt vom 23. Oktober 2020, ergänzt um eine Checkliste vom 11. November 2020. Danach kam nichts Neues mehr: Die Fassung, an der sich die Aufsichtsbehörden orientieren, ist seit fast sechs Jahren unverändert. Seit dem 2. August 2026 gelten außerdem die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung; die Leitlinien der EU-Kommission dazu tragen auf deren eigener Seite das Veröffentlichungsdatum 20. Juli 2026 – ich habe es dort nachgesehen. Schärfer noch ist Artikel 5: Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen ist seit dem 2. Februar 2025 verboten, ausgenommen sind medizinische und sicherheitstechnische Gründe. Verkauft Ihnen jemand einen Aufmerksamkeits-Score fürs Meeting, ist das kein Feature. Das ist ein Bußgeldrisiko.
Was der eigene Server kostet – und welche Abos er ersetzt
Die Zahl, die in den meisten Ratgebern fehlt: Selbsthosten ist 2026 teurer geworden, nicht billiger. Hetzner hat zweimal erhöht – zum 1. April wegen gestiegener Speicherpreise und zum 15. Juni bei einer Produktumstellung. Ein CX43 kostet jetzt 19,03 € im Monat statt 14,27 €, inklusive Mehrwertsteuer. Ein CCX33 mit dedizierten Kernen, also mit fest zugeteilter Rechenleistung, kostet 164,80 € statt zuvor 74,36 €.
Welcher Tarif was mitbringt, habe ich vor der Veröffentlichung selbst auf hetzner.com nachgesehen: Der CX43 hat 8 geteilte Kerne und 16 GB Arbeitsspeicher und liegt damit über den vier Kernen und 8 GB, die Jitsi verlangt. Für BigBlueButton nehme ich den CCX33 mit 8 dedizierten Kernen und 32 GB. Dedizierte Kerne fordert BigBlueButton übrigens nirgends – gefordert sind acht Kerne „with high single-thread performance“, und genau diese Leistung ist bei geteilten Kernen niemandem zugesichert. Das ist meine Auslegung, keine Herstellervorgabe.
Jetzt die Rechnung. Die Preise stammen von den Anbietern, die Jahreswerte von mir. Damit die Zahlen vergleichbar bleiben, rechne ich alles ohne Mehrwertsteuer: Der CX43 kostet netto 15,99 €, der CCX33 netto 138,49 €. Macht rund 192 € im Jahr für Jitsi und rund 1.662 € für BigBlueButton. Dagegen zehn Zugänge Microsoft 365 Business Standard zu 12,13 € netto: 121,30 € im Monat, 1.455,60 € im Jahr. Google Workspace Business Standard steht mit 13,60 € je Nutzer auf der Preisseite, für zehn Zugänge also 136 € im Monat – ob dort netto oder brutto gemeint ist, sagt die Seite nicht, deshalb nehme ich die Zahl nur als Größenordnung. Kurz: Jitsi rechnet sich früh. BigBlueButton erst bei echter Auslastung.
Jetzt das Argument gegen mich selbst. Microsoft vergibt an gemeinnützige Organisationen weiterhin bis zu 300 kostenlose Lizenzen Business Basic, dazu Rabatte von bis zu 75 Prozent auf viele Nonprofit-Angebote – auf welche genau, sagt die Ankündigung nicht. Gestrichen wurden die kostenlosen Zuwendungen für Business Premium und Office 365 E1, und zwar nicht an einem Stichtag: Sie enden „upon their next renewal date on or after July 1, 2025“, also mit der jeweils nächsten Verlängerung ab dem 1. Juli 2025. Wer wissen will, ob es ihn schon getroffen hat, schaut auf sein eigenes Verlängerungsdatum.
Für gemeinnützige Vereine mit diesen kostenlosen Lizenzen heißt das: Am Preis gewinnt Microsoft, und wer trotzdem wechselt, tut es wegen der Datenhoheit. Für alle, die zahlen – Betriebe, Selbstständige, Vereine ohne Gemeinnützigkeit –, stehen die Zahlen oben: rund 192 € gegen rund 1.456 € im Jahr. Auch das ist ein ehrliches Ergebnis.
Die Grenzen, die ich Ihnen vorher sage
Ein Server ist kein Abo. Beim Abo zahlen Sie, und jemand anderes hält die Sache am Laufen. Hier übernehmen Sie diesen Teil – oder geben ihn bewusst an jemanden ab.
Updates fährt niemand von allein. Betriebssystem, Konferenzsoftware, Zertifikat: Jeder einzelne Handgriff ist klein, aber er kommt wieder, und Wiederkehrendes ist genau das, was im Vereinsalltag zwischen Sommerfest und Kassenprüfung hinten runterfällt. Wer das nicht einplant, betreibt in einem Jahr einen Server mit bekannten Sicherheitslücken.
Die zweite Grenze ist die Verfügbarkeit. Fällt die Maschine aus, fällt die Sitzung aus, und es gibt keine Hotline, die Ihnen kurzfristig einen Ersatzraum aufmacht. Vor einer Mitgliederversammlung heißt das: einmal mit voller Besetzung proben und einen Plan B im Kopf haben, damit ein Ausfall keinen Beschluss kostet.
Die dritte ist die Zuständigkeit. Wer schaut nach, wenn am Dienstagabend um 19:05 Uhr niemand in den Raum kommt? Das gehört vor dem ersten Termin geklärt und aufgeschrieben, am besten mit einem Namen darunter. Und wenn Sie aufzeichnen, hängt daran gleich der Rest: Die Aufzeichnungen liegen auf Ihrem Server, sie brauchen ein Backup, sie brauchen eine Löschfrist und jemanden, der sie einhält. Die 500 GB, die BigBlueButton dafür empfiehlt, füllen sich schneller, als ein Vorstand denkt.
Machbar ist das alles. Umsonst ist es nicht: Es kostet entweder Ihre Zeit oder eine feste Betreuung. Wem beides zu viel ist, der bleibt besser beim Abo – auch das ist ein ehrliches Ergebnis.
Der Vereinsfall: von der Satzung zum ersten Termin
An der Technik hängt für Vereine eine Rechtsfrage. § 32 Abs. 2 BGB erlaubt dem Vorstand, bei der Einberufung eine hybride Versammlung vorzusehen – Teilnahme wahlweise vor Ort oder elektronisch, ohne Satzungsänderung. Eine rein virtuelle Versammlung setzt einen Beschluss der Mitglieder voraus. In beiden Fällen muss die Einladung erklären, wie die Rechte elektronisch ausgeübt werden. Ganz ohne Versammlung geht es nach § 32 Abs. 3 BGB nur, wenn alle Mitglieder in Textform zustimmen. § 40 BGB stellt klar: Was Ihre Satzung abweichend regelt, geht vor. Wortmeldung und Abstimmung müssen also im Werkzeug abbildbar sein – BigBlueButton bringt Umfragen und Handheben laut Hersteller mit, bei Jitsi prüfen Sie das an Ihrer Version. So gehen Sie vor:
- Satzung zuerst lesen. Steht dort etwas zur Versammlungsform, schlägt das jede Empfehlung aus diesem Text.
- Die größte Runde zählen. Für Besprechungen und Versammlungen ist Jitsi die naheliegende Wahl; eine offizielle Obergrenze nennt Jitsi nicht, die Grenze setzen Hardware und Leitung. Die oft zitierten 20 gelten nur für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, nicht für die Kapazität. Unterricht mit Folien, Gruppenarbeit und Aufzeichnung: BigBlueButton, dort sind rund 200 gleichzeitige Nutzer je Server dokumentiert.
- Einen Monat testen, bevor Sie kündigen. Ein kleiner Server kostet weniger als ein Abo-Monat für zehn Leute.
- Die secure domain einschalten, bevor der erste Link nach draußen geht.
- Beim gemieteten Server einen Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen. Hetzner stellt einen nach Art. 28 DSGVO bereit.
- Aufzeichnung vorher ansprechen und die Zustimmung festhalten.
- Die Einladung schreiben, die erklärt, wie man teilnimmt und abstimmt. So verlangt es § 32 Abs. 2 BGB.
Zwischen den Sitzungen ist ein Messenger das passendere Werkzeug.
Häufige Fragen
Wie viele Teilnehmer schafft ein eigener Jitsi-Server?
Jitsi nennt keine offizielle Obergrenze, und ich erfinde hier keine. Das Handbuch gibt nur Richtwerte für Hardware und Bandbreite; wächst die Last, stellt man weitere Videoserver daneben. Zahlen wie „75“ oder „100“ aus Fremdblogs sind unbelegt. Belastbar sind die Vergleichswerte: rund 200 gleichzeitige Nutzer je BigBlueButton-Server, sechs bis zehn bei Nextcloud Talk – und Jitsis echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung endet bei 20 – das ist eine Grenze der Verschlüsselung, keine Aussage über die Kapazität.
Brauche ich für eine selbst gehostete Videokonferenz einen AV-Vertrag?
Steht der Server bei Ihnen im Haus und administrieren Sie ihn selbst, gibt es keinen Auftragsverarbeiter – und damit keinen Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Das ist eine Ableitung aus der Norm, kein Behördenzitat; lassen Sie es im Zweifel prüfen. Mieten Sie den Server oder wartet ihn jemand, der dabei auf personenbezogene Daten zugreifen könnte, brauchen Sie ihn. Die Form ist schriftlich, elektronisch genügt. Hetzner stellt einen solchen Vertrag im Kundenkonto bereit.
Kann ich Sitzungen aufzeichnen – und darf ich das?
Technisch: BigBlueButton kann es ab Werk, daher die 500 GB Plattenplatz. Jitsi braucht den Zusatzdienst Jibri, eine Instanz je gleichzeitigem Meeting; mit aktiver Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geht es gar nicht. Für Nextcloud Talk habe ich die Aufzeichnung nicht geprüft – fragen Sie das ab, bevor Sie sich darauf verlassen. Rechtlich: § 201 Abs. 1 StGB stellt es unter Strafe, das nichtöffentlich gesprochene Wort unbefugt aufzunehmen – bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Wann eine Aufnahme „unbefugt“ ist, entscheidet der Einzelfall; das ist eine juristische Bewertung, die ich hier nicht vorwegnehme. In der Praxis heißt das: vorher fragen, die Zustimmung festhalten, die Rechtsgrundlage klären – und bei Zweifeln jemanden fragen, der dafür geradesteht.
So fangen wir an
Ich richte Jitsi oder BigBlueButton auf einem Server in einem deutschen Rechenzentrum ein, schalte die secure domain scharf, bevor der erste Link nach draußen geht, kümmere mich um Updates und Backups und bleibe danach Ihr Ansprechpartner. Welche der drei Varianten zu Ihrer größten Runde passt, klären wir vorher in Ruhe – auch wenn die Antwort lautet, dass Ihr bestehendes Abo bleiben darf.
Den größeren Zusammenhang liefert der Beitrag zur digitalen Souveränität. Führen Sie einen Verein, finden Sie die passende Zusammenstellung unter IT für Vereine und gemeinnützige Organisationen. Und wenn Sie wissen wollen, was Ihre nächste Mitgliederversammlung technisch braucht: Das erste Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.