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KI-Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen: So funktioniert die Technik

Die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte kommt – aber was heißt »maschinenlesbar« technisch? C2PA, IPTC und SynthID erklärt, samt der Falle, in der die Kennzeichnung beim Export verschwindet.

Illustration: KI-Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen: So funktioniert die Technik

Am 2. August greifen die Transparenzpflichten der EU-KI-Verordnung. Wen die Pflicht trifft und wen nicht, habe ich im ersten Teil sortiert – die Kurzfassung: Die maschinenlesbare Kennzeichnung bauen die KI-Anbieter ein, nicht Sie. Trotzdem lohnt es sich zu verstehen, wie diese Kennzeichnung technisch funktioniert. Denn sie steckt in Ihren Dateien, sie steuert, was Facebook und TikTok automatisch labeln – und sie verschwindet schneller, als Ihnen lieb ist. Hier kommt die Technik, ohne Paragrafen.

Der Stempel steckt in der Datei, nicht daneben

»Maschinenlesbar« heißt: Ein Programm kann der Datei selbst ansehen, dass sie aus einer KI kommt. Kein Hinweistext daneben, kein Vermerk im Beitrag – die Information reist im Bild, im Video, in der Audiodatei mit. Wie ein Stempel im Pass, nicht wie ein Zettel im Gepäck. Dafür haben sich drei Verfahren etabliert, die sich ergänzen.

C2PA, vermarktet als Content Credentials, ist der Industriestandard für Herkunftsnachweise. Eine Koalition aus Adobe, Microsoft, OpenAI, Google, BBC und Kameraherstellern hängt an Dateien ein kryptografisch signiertes Protokoll: Wer hat das erzeugt, mit welchem Werkzeug, was wurde daran bearbeitet. Aktuelle Kameras von Leica, Sony, Canon und Nikon signieren schon beim Auslösen, Agenturen wie Reuters und AFP signieren ihr Material. Erkennbar am kleinen »CR«-Zeichen; prüfen können Sie jede Datei kostenlos unter contentcredentials.org/verify.

IPTC-Metadaten sind die bescheidene Variante: ein Textfeld in der Datei. Das Feld »Digital Source Type« mit dem Wert »trainedAlgorithmicMedia« sagt schlicht: vollständig KI-generiert. Genau dieses Feld lesen Meta und Google aus.

SynthID von Google geht einen anderen Weg: kein angehängtes Etikett, sondern ein unsichtbares Wasserzeichen in den Pixeln selbst. Es übersteht Zuschneiden, Komprimieren und Screenshots deutlich besser als jedes Metadaten-Feld. Google hat damit nach eigenen Angaben über 100 Milliarden Inhalte markiert, seit diesem Jahr nutzt auch OpenAI das Verfahren zusätzlich.

Für Sie heißt das Stand Juli 2026: Bilder aus ChatGPT tragen C2PA-Metadaten plus SynthID-Wasserzeichen. Bilder aus Gemini tragen SynthID plus IPTC-Kennung. Wer die großen Werkzeuge nutzt, bekommt die Kennzeichnung geschenkt.

Die eigentliche Falle: Ihr Export wirft den Stempel weg

Jetzt der Teil, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Metadaten sind zerbrechlich. Screenshot statt Download: Kennzeichnung weg. Export aus der Bildbearbeitung mit »für Web optimieren«: meist weg. Bild durch einen Online-Konverter gejagt oder per Messenger verschickt: weg.

Auch WordPress spielt mit. Das hochgeladene Original bleibt unangetastet – aber WordPress erzeugt beim Upload verkleinerte Kopien, und je nach Server-Konfiguration verlieren genau diese Kopien ihre Metadaten. Im Beitrag landet fast immer eine Kopie. Das Ergebnis: Die Kennzeichnung liegt brav auf Ihrem Server, nur nicht in dem Bild, das Ihre Besucher sehen. Wasserzeichen wie SynthID überleben solche Wege eher. Metadaten nicht.

Was Sie auf Website und Newsletter konkret tun

  • Kennzeichnung drin lassen. Kein Screenshot-Umweg, kein Konverter zwischen KI-Werkzeug und Website. Herunterladen, unverändert hochladen.
  • Website einmal prüfen lassen. Ob Ihre WordPress-Installation Metadaten in den verkleinerten Bildgrößen erhält, hängt von der Bildverarbeitung des Servers ab. Das ist eine einmalige Konfigurationsfrage, kein Dauerprojekt.
  • Sichtbaren Hinweis ergänzen, wo er Menschen hilft. Eine Zeile in der Bildunterschrift (»Bild: KI-generiert«) kostet nichts und wirkt auch dann, wenn die Technik versagt. Eine eigene Pflichtseite im Impressum braucht dafür niemand.
  • Newsletter: auf die Bildunterschrift setzen. Mail-Programme und Versanddienste komprimieren Bilder rabiat und werfen Metadaten dabei gern weg. Der sichtbare Hinweis ist hier die robuste Lösung.

Social Media: Die Plattformen lesen mit

Der angenehme Nebeneffekt sauberer Dateien: Die Plattformen erledigen die Offenlegung für Sie. Meta liest C2PA- und IPTC-Signale und setzt auf Facebook und Instagram automatisch ein »KI-Info«-Label. TikTok labelt Inhalte mit C2PA-Kennung schon seit 2024 von selbst – und behandelt das Label als Offenlegung, nicht als Abwertung. YouTube fragt die Angabe beim Hochladen ab. Wer die eingebaute Kennzeichnung nicht herausschneidet, hat die Plattform-Regeln nebenbei erfüllt. Wer sie entfernt und auffällt, diskutiert hinterher.

Ehrliche Grenzen

Der Stand ist besser als sein Ruf, fertig ist hier trotzdem nichts. Der C2PA-Standard wird laufend weiterentwickelt, die Erkennung der Plattformen ist uneinheitlich, und Wasserzeichen lassen sich mit genug Aufwand abschwächen – frei verfügbare Werkzeuge dafür existieren. Fälschungssicher ist das alles nicht. Muss es für Sie auch nicht sein: Verlangt wird ehrliches Kennzeichnen nach Stand der Technik, keine Wunder.

Zur Erinnerung: Texte, die ein Mensch geprüft hat und redaktionell verantwortet, sind von der Offenlegungspflicht ausgenommen – die Herleitung steht im ersten Teil. Warum ungeprüfte KI-Texte trotzdem eine schlechte Idee sind, habe ich hier aufgeschrieben.

Das Muster insgesamt kennen Sie von den Google Fonts: Eine technische Pflicht klingt nach Großprojekt und ist mit einem sauberen Handgriff erledigt. Genau so einer ist das hier. Wenn Sie solche Details nicht selbst im Blick behalten wollen: Bei meinen Websites gehören Bildverarbeitung, Metadaten und saubere Kennzeichnung von Anfang an dazu. Das Erstgespräch kostet nichts.

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