Windows 10 Support-Ende: Ihre 4 Optionen – und was sie wirklich kosten
Microsoft hat Windows 10 den Stecker gezogen – und erklärt Millionen funktionierender Rechner für veraltet. Was das Support-Ende für Ihren Betrieb bedeutet und welche der vier Optionen zu Ihnen passt: ehrlich durchgerechnet, ohne Neukauf-Reflex.
Am 14. Oktober 2025 hat Microsoft bei Windows 10 den Stecker gezogen. Kein Countdown mehr, keine Schonfrist in letzter Minute. Seitdem gibt es keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr, das Datum steht so in Microsofts eigenem Lifecycle-Kalender.
Ihr Rechner läuft trotzdem weiter. Genau das ist das Tückische. Er fühlt sich an wie immer. Und wird jeden Monat angreifbarer.
In vielen Büros, Praxen und Werkstätten steht das Thema seit Monaten auf der Liste »machen wir noch«. Dieser Artikel ist die Vorlage, es diese Woche zu entscheiden: vier Optionen, ehrliche Kosten, und eine klare Ansage, für wen welche passt.
Was »Support-Ende« konkret bedeutet
Windows 10 funktioniert weiter. Niemand schaltet Ihren Rechner ab. Aber wenn ab jetzt eine Sicherheitslücke gefunden wird, repariert Microsoft sie nicht mehr. Die Lücke bleibt offen. Dauerhaft.
Und gefunden wird sie. In Windows tauchen laufend neue Schwachstellen auf – entdeckt von Forschern, ausgenutzt von Kriminellen. Bisher kam kurz darauf ein Update. Dieses Update kommt jetzt nicht mehr. Jede neue Lücke ist ein Fenster in Ihr Firmennetz, das nie wieder geschlossen wird.
»Uns greift doch keiner an, wir sind zu klein.« Doch. Angreifer suchen nicht Ihren Firmennamen, sie scannen automatisiert das ganze Netz nach verwundbaren Systemen. Warum diese Ausrede so gefährlich ist, habe ich hier Punkt für Punkt zerlegt. Die Kurzfassung: Ein ungepatchtes Windows 10 mit Browser und E-Mail-Postfach ist exakt das, wonach diese Scans suchen.
Microsofts Rechnung: Ihr funktionierender Rechner ist jetzt Elektroschrott
Das Upgrade auf Windows 11 wäre kostenlos. Der Haken: Microsoft lässt es nur auf Geräten zu, die einen bestimmten Sicherheitschip mitbringen (TPM 2.0) und einen Prozessor jüngeren Baujahrs. Ältere Geräte fallen durch – egal, wie flüssig sie laufen.
Der Bürorechner von 2016 schreibt Angebote, ruft Mails ab, druckt Lieferscheine. Er ist nicht kaputt. Er ist nur unerwünscht. Millionen funktionierender Geräte werden so Richtung Elektroschrott gedrängt, weil ein Konzern die Zugangshürden hochgesetzt hat.
Heißt das, Sie müssen sofort neu kaufen? Nein. Es heißt, Sie sollten rechnen, bevor Sie kaufen.
Ihre vier Optionen – ehrlich durchgerechnet
| Option | Kosten | Passt für |
|---|---|---|
| Upgrade auf Windows 11 | Lizenz kostenlos, etwas Arbeitszeit | Geräte, die die Anforderungen erfüllen (grob: ab 2018) |
| Neue oder generalüberholte Hardware | grob 500 bis 1.000 € pro Arbeitsplatz, refurbished deutlich darunter | Geräte, die ohnehin am Ende sind |
| ESU-Programm (bezahlte Gnadenfrist) | pro Gerät und Jahr, wird jedes Jahr teurer | Übergangszeit, wenn Software den Wechsel blockiert |
| Umstieg auf Linux | Lizenz kostenlos, Umstellungsaufwand | Arbeitsplätze mit Browser, Mail und Office |
Option 1: Windows 11 – wenn die Hardware darf
Für alle Geräte, die die Anforderungen erfüllen, ist das der einfachste Weg. Das Upgrade kostet keine Lizenzgebühr, Programme und Dateien bleiben erhalten, die Bedienung ist vertraut. Vorher ein vollständiges Backup, dann an einem ruhigen Nachmittag durchziehen. Pro Gerät geht es um Stunden, nicht um Tage.
Option 2: Neue Hardware – aber erst nach der Bestandsaufnahme
Wenn ein Gerät acht oder neun Jahre alt ist, täglich genutzt wird und schon heute lahmt, ist der Neukauf kein Microsoft-Diktat, sondern schlicht fällig. Rechnen Sie je nach Ausstattung grob mit 500 bis 1.000 € pro Arbeitsplatz. Deutlich darunter liegt der oft übersehene Mittelweg: generalüberholte Business-Geräte, sogenannte Refurbished-Ware. Zwei bis drei Jahre alt, Windows-11-fähig, deutlich günstiger als Neuware – und es landet ein Gerät weniger auf dem Schrott.
Option 3: ESU – die gemietete Gnadenfrist
Microsoft verkauft für Windows 10 verlängerte Sicherheitsupdates, kurz ESU (»Extended Security Updates«). Übersetzt: Sie mieten die Updates, die jahrelang selbstverständlich waren. Für private Geräte gab es hierzulande eine kostenlose Verlängerung (Microsoft-Konto vorausgesetzt), die im Oktober 2026 ausläuft. Unternehmen zahlen pro Gerät und Jahr, der Preis steigt jedes Jahr, und spätestens im Herbst 2028 ist endgültig Schluss.
ESU ist kein Plan, sondern gekaufte Zeit. Sinnvoll ist das genau dann, wenn eine Branchensoftware den Umstieg noch blockiert und Sie die Frist nutzen, um die Migration vorzubereiten. Wer ESU bucht und dann nichts tut, steht in zwei Jahren am selben Punkt. Nur ärmer.
Option 4: Linux – für mehr Arbeitsplätze geeignet, als Sie denken
Linux ist ein kostenloses Betriebssystem, das auch auf Hardware läuft, die Microsoft aussortiert hat. Für Arbeitsplätze, an denen im Alltag Browser, E-Mail und Office-Dokumente laufen, funktioniert ein modernes Linux (etwa Linux Mint) erstaunlich unauffällig. Der alte Rechner am Empfang oder im Lager bekommt ein zweites Leben mit Sicherheitsupdates – ohne Neukauf, ohne Lizenzkosten.
Jetzt die ehrliche Grenze: Branchensoftware kann Linux ausschließen. Kanzleiprogramme, Praxisverwaltung, DATEV-Umgebungen, CAD, Kassenanbindungen – vieles davon läuft nur unter Windows. Dann ist Linux für genau diesen Arbeitsplatz raus. Das ist kein Drama, gemischte Umgebungen sind völlig normal: Der DATEV-Rechner bekommt Windows 11, die Browser-Arbeitsplätze bekommen Linux.
Checkliste: So prüfen Sie, ob Ihre Geräte Windows-11-fähig sind
- Windows Update ansehen: Start, Einstellungen, Update und Sicherheit. Oft steht dort bereits, ob das Gerät für Windows 11 freigegeben ist.
- PC-Integritätsprüfung ausführen: Microsofts kostenlose Prüf-App sagt Ihnen konkret, ob ein Gerät geeignet ist – und woran es scheitert.
- TPM kontrollieren: Windows-Taste + R drücken, »tpm.msc« eintippen. Steht dort ein einsatzbereites TPM mit Version 2.0, ist die wichtigste Hürde genommen.
- Baujahr einordnen: Geräte ab etwa 2018 haben gute Karten, ältere fallen häufig durch.
- Liste führen: Bei mehreren Geräten notieren Sie pro Rechner Baujahr, Windows-11-fähig ja/nein und welche Software darauf laufen muss. Diese Liste ist bereits der halbe Migrationsplan.
Was warten darf – und was diese Woche dran ist
Damit hier nichts nach Panikverkauf klingt: Es gibt tatsächlich Rechner, die bleiben dürfen, wo sie sind. Ein altes Gerät, das ohne jede Netzwerkverbindung eine Maschine steuert oder ein Messgerät ausliest, bringt kaum Risiko mit. Kein Netz, kein Einfallstor. Und wenn alle Ihre Geräte Windows-11-fähig sind, brauchen Sie für das Upgrade auch keinen Dienstleister. Backup machen, Upgrade starten, fertig.
Aber: »Der geht doch kaum ins Internet« zählt nicht. Ein Windows-10-Rechner mit E-Mail-Postfach, Browser und Zugriff auf die Firmendateien ist angreifbar – egal, wie selten Sie ihn nutzen. Und weil das Support-Ende inzwischen Monate zurückliegt, sammeln sich die ungestopften Lücken bereits. Jeder Monat Aufschub macht das Fenster größer, nicht kleiner.
Der 14. Oktober ist verstrichen, und jeder ungepatchte Windows-10-Rechner wird mit jedem Monat ein Stück angreifbarer. Bevor Sie aus Reflex neue Geräte bestellen, verteilen wir Ihre Rechner in einem kostenlosen Erstgespräch auf die vier Optionen und legen fest, welcher zuerst umzieht. Auf Wunsch übernehme ich Updates und Fristen danach dauerhaft in der laufenden Wartung – damit das Support-Ende von Windows 10 der letzte Termin bleibt, der Sie kalt erwischt.