Website-Relaunch ohne Rankingverlust: die SEO-Checkliste
Neue Website online, alte Adressen tot, Rankings weg, Telefon still. Das passiert bei fast jedem Relaunch ohne Plan – und lässt sich komplett vermeiden. Die Checkliste zum Selbst-Kontrollieren, plus die ehrliche Frage, ob Sie den Relaunch überhaupt brauchen.
Die neue Website ist online. Schöner, schneller, endlich zeitgemäß. Zwei Wochen später klingelt das Telefon nicht mehr.
Was ist passiert? Google kannte die alte Website. Die neue kennt es noch nicht. Und die alten Adressen, unter denen Ihre Kunden Sie gefunden haben, führen ins Leere.
Ein Relaunch ohne Plan ist kein Neuanfang. Er ist ein Umzug, bei dem Sie den Nachsendeauftrag vergessen haben.
Das lässt sich vermeiden. Vollständig. Sie brauchen dafür keine Geheimtricks, sondern eine Handvoll Schritte, die viele Agenturen gern unter den Tisch fallen lassen.
Warum Ihre Rankings an Adressen kleben
Google merkt sich keine Website. Google merkt sich Adressen.
Jede Unterseite hat eine eigene Adresse, die sogenannte URL – zum Beispiel ihrbetrieb.de/leistungen/dachsanierung. Genau diese Adresse steht in den Suchergebnissen. Über Jahre hat Google gelernt: Unter dieser URL steht ein guter Text über Dachsanierung. Also zeigt es die Seite, wenn jemand danach sucht.
Beim Relaunch ändern sich fast immer die Adressen. Aus /leistungen.html wird /leistungen/. Aus der alten Seitenstruktur eine neue. In dem Moment, in dem die alte URL nicht mehr existiert, verliert Google den roten Faden.
Was dann typischerweise stirbt:
- Die Platzierungen einzelner Unterseiten, über Jahre gewachsen.
- Verweise von anderen Websites, die jetzt auf tote Adressen zeigen.
- Lesezeichen und gespeicherte Links Ihrer Stammkunden.
- Einträge in Branchenbüchern und Portalen, die auf die alte Struktur verlinken.
Das Ranking ist nicht »weg«. Es hängt nur plötzlich an einer Tür, die zugemauert wurde.
301-Redirects: die Umleitung, die gern »vergessen« wird
Es gibt einen Nachsendeauftrag für Websites. Er heißt 301-Redirect.
Ein 301-Redirect ist eine dauerhafte Umleitung. Er sagt Browser und Google: Diese Adresse ist umgezogen, endgültig, und zwar hierhin. Wer die alte URL aufruft, landet automatisch auf der neuen. Und Google überträgt den Großteil der aufgebauten Bewertung auf die neue Adresse mit.
Die »301« ist kein Marketingwort, sondern ein technischer Code. Er heißt schlicht »dauerhaft umgezogen«. Sein Gegenstück, die 302, heißt »nur vorübergehend«. Genau die richtet manch schnelle Agentur aus Versehen ein. Dann wartet Google auf eine Rückkehr, die nie kommt, und der Rankingverlust bleibt.
Damit keine Adresse vergessen wird, brauchen Sie ein Dokument: die Weiterleitungs-Tabelle. Für jede alte URL steht darin, wohin sie zeigt.
| Alte Adresse | Neue Adresse | Weiterleitung |
|---|---|---|
| /index.html | / | 301 |
| /leistungen.html | /leistungen/ | 301 |
| /ueber-mich.html | /team/ | 301 |
| /kontakt.php | /kontakt/ | 301 |
| /produkte/alt-xy | /leistungen/ | 301 |
Diese Tabelle ist kein Nice-to-have. Sie ist das Pflichtdokument des ganzen Relaunches. Ohne sie ist jeder Umzug ein Blindflug.
Die Relaunch-Checkliste zum Selbst-Kontrollieren
Diese Liste können Sie Ihrer Agentur vorlegen – oder selbst abarbeiten. Fünf Punkte entscheiden über Erfolg oder Funkstille.
- URL-Inventur. Bevor irgendetwas Neues online geht: Erfassen Sie jede bestehende Adresse. Ein kostenloses Crawler-Werkzeug fährt Ihre alte Seite ab und listet alle URLs auf. Diese Liste ist die Grundlage für alles Weitere.
- Redirect-Map. Ordnen Sie jeder alten Adresse eine neue zu, so wie in der Tabelle oben. Seiten, die es nicht mehr gibt, leiten Sie auf die thematisch nächste weiter, nicht stumpf auf die Startseite.
- Interne Links prüfen. In Ihren Texten stehen Verweise auf andere Unterseiten. Nach dem Umzug müssen die auf die neuen Adressen zeigen. Sonst schickt Ihre eigene Website Besucher ins Leere.
- Google Search Console. Das kostenlose Kontrollzentrum von Google für Ihre Website. Reichen Sie dort die neue Seitenübersicht (Sitemap) ein und behalten Sie den Bericht über nicht gefundene Seiten im Blick. Hier sehen Sie schwarz auf weiß, welche Umleitung fehlt.
- Ladezeit-Vergleich. Messen Sie vor dem Umzug, wie schnell die alte Seite lädt. Nach dem Umzug messen Sie erneut. Eine neue Seite, die langsamer ist als die alte, ist ein Rückschritt. Und Google straft Trägheit ab.
So einen Umzug ohne Sichtbarkeitsverlust zu begleiten, ist genau die Arbeit, die bei mir unter Websites und SEO läuft.
Manchmal ist der beste Relaunch gar keiner
Jetzt die unbequeme Frage: Brauchen Sie diesen Relaunch überhaupt?
Ehrlich? Oft nicht.
Wenn Ihre Website inhaltlich stimmt und nur das Design aus der Zeit gefallen ist, dann ist ein kompletter Neubau mit neuen Adressen die teuerste und riskanteste Lösung. Häufig reicht weniger:
- Ein frisches Design auf der bestehenden Struktur. Adressen bleiben gleich, Rankings bleiben unangetastet.
- Ein paar überarbeitete Texte statt einer kompletten Neuordnung.
- Ein schnelleres Hosting, wenn nur die Geschwindigkeit nervt.
Ein Relaunch lohnt sich, wenn die Technik am Ende ist, die Struktur nicht mehr zum Betrieb passt oder das System Sie in ein teures Abo zwingt. Er lohnt sich nicht, nur weil die Seite »irgendwie nach 2012 aussieht«.
Ich sage Ihnen das auch dann, wenn ich am großen Umbau mehr verdienen würde. Ein Kunde, der Geld für etwas Überflüssiges ausgibt, kommt nicht wieder.
Nach dem Go-live: vier Wochen wach bleiben
Der Relaunch endet nicht mit dem Go-live. Er endet vier Wochen später.
In dieser Zeit sortiert Google die neue Website neu ein. Kleine Schwankungen sind normal. Ein Einbruch, der bleibt, ist ein Alarm. Worauf Sie achten:
- Meldet die Search Console plötzlich viele nicht gefundene Seiten? Dann fehlt eine Umleitung.
- Fällt eine wichtige Seite in der Suche deutlich ab und erholt sich nach zwei, drei Wochen nicht? Dann stimmt etwas mit ihrer Umleitung oder ihrem Inhalt nicht.
- Bleiben die Anfragen aus, obwohl die Zahlen in der Search Console gut aussehen? Dann liegt es eher am neuen Design oder am Kontaktweg als an Google.
Wer in diesen vier Wochen hinschaut, fängt Fehler ab, bevor sie Umsatz kosten. Wer die Seite online stellt und wegschaut, merkt den Schaden erst, wenn das Telefon schon drei Wochen stumm ist. Dieses Nachhalten nach dem Go-live ist bei mir kein Extra, sondern Teil der laufenden Betreuung.
Kurz gesagt
Ein Relaunch ist kein Glücksspiel. Er ist eine Checkliste, die jemand gründlich abarbeiten muss, nicht nebenbei.
Wenn Sie vor einem Relaunch stehen oder den Verdacht haben, dass der letzte Sie Rankings gekostet hat: Schauen wir gemeinsam auf Ihre Seite, bevor auch nur eine Adresse umzieht. Vielleicht kommt dabei heraus, dass ein neues Design auf der alten Struktur reicht und Sie sich den ganzen Umzug sparen. Auch das sage ich Ihnen dann. Das erste Gespräch kostet nichts, läuft per Telefon oder Video und verpflichtet Sie zu gar nichts. Und Sie sprechen dabei mit dem, der Ihre Weiterleitungen später selbst einträgt, nicht mit einem Vertrieb, der am großen Umbau verdienen will.